Flötespielender Junge

 

Auf der schwach gewölbten Oberseite dieses zweiteiligen manjū ist ein barfüßiger Flöte spielender Junge dargestellt. Seine langen Haare reichen bis zur Schulter und seine Jacke weist ein Chrysanthemenmuster auf. Hinter ihm befindet sich ein großer Korb. Auf der Rückseite sind ein Blütenzweig und ein Bambushalm graviert.

Das Motiv spielt an – auch wenn kein Ochse dargestellt ist – auf eines der Bilder des Parabelzyklus der „Zehn Büffel“. Hier erscheint das Sujet des Ochsen mit einem aufsitzenden Flöte spielenden Hütejungen, das in der Zen-inspirierten chinesischen und japanischen Malerei sehr häufig anzutreffen ist. Dargestellt ist der 6. Abschnitt des Weges zur höchsten Erkenntnis: „Der Heimritt des singenden und Flöte spielenden Hirten auf dem Rücken des folgsamen Büffels (= sichere, freudige Ruhe der Einsicht, alles ergibt sich wie von selbst)“ (Helmut Brinker, Zen in der Kunst des Malens, Bern/München/Wien 1985, S. 120).

Kikugawa Ryūkoku 菊川流谷 gehörte der in Edo angesiedelten Kikugawa-Schule von manjū-Schnitzern an und signierte oft auch mit seinem Familiennamen Kikugawa und fast immer mit dem Begriff „saku“ 作 (gemacht). Er arbeitete überwiegend im Tiefschnitt und kombinierte diesen mit sehr feinen Gravuren und winzigen, rot eingefärbten Details. Das Relief ist dabei hervorragend modelliert, wobei sorgfältig polierte Flächen mit reichem Faltenwurf und eingeritzten Mustern ausbalanciert sind.