Großer Tiger

 

Der große, mit eng zusammengelegten Pfoten liegende Tiger hat den Schwanz in einem S-förmigen Bogen über den Rücken gelegt und wendet den Kopf nach hinten. Die Unterseite ist entsprechend dem Zahnsegment leicht gebogen und man erkennt, dass das Stück aus einem dicken und tiefen Segment einer Scheibe der unteren Partie des Zahnes stammen muss.

Der Tiger (tora) ist das dritte Tierkreiszeichen, repräsentiert den 1. Monat und steht für die Stunden zwischen 3 und 5 Uhr in der Nacht. Er symbolisiert physische Kraft und Mut, verkörpert das männliche yang-Prinzip und steht für die Himmelsrichtung Westen und den Wind. Da der Tiger in Japan nicht heimisch ist, basieren die japanischen Darstellungen auf Abbildungen in der chinesischen Malerei und japanischen illustrierten Büchern. Deshalb sind die Tigerdarstellungen meist nicht nur unrealistisch sondern wirken oft gar Karikaturen. Entgegen ihrem eigentlichen Wesen wirken diese Raubtiere mit ihren dicken, runden Tatzen und gut ausgearbeiteten Klauen wie harmlose, überdimensionierte Hauskatzen.

Laut dem „Sōken kishō“ lebte Yamaguchi Okatomo 山口岡友 in Kyoto Higashiyama. Er ist einer der drei großen Kyoto-Netsuke-Schnitzer des späten 18. Jahrhunderts. Okatomo steht in der Stiltradition des Tomotada. Seine Arbeiten sind jedoch etwas kleiner, die Köpfe kantiger. Er bevorzugte Elfenbein und wählte Zodiakus-Tiere als Thema seiner Netsuke. Diese wurden bereits zu seinen Lebzeiten kopiert und mit seiner Signatur versehen.