Ikkaku Sennin

 

Aus einer alten französischen Sammlung; Papieretikett mit der Ziffer 180

Ikkaku Sennin, wörtlich: Ein-Horn-Unsterblicher, steht freudig lächelnd auf einem Bein und trägt eine junge Frau auf dem Rücken, die er mit der Linken stützt. Sie hingegen legt – um das Gleichgewicht zu halten — ihre rechte Hand in die des sennin. Er trägt über seinem locker gegürteten Gewand den für Unsterbliche typischen Blattumhang um Schulter und Hüften. Das Mädchen hingegen ist in ein weites Gewand gekleidet und trägt ein Schalband sowie ein kleines Diadem im Haar.

Es gibt mehrere Varianten der Erzählung um den einhörnigen Unsterblichen. Hier sei zunächst in aller Kürze der Inhalt des berühmten gleichnamigen Nō-Dramas wiedergegeben: Eines Tage rutschte Ikkaku Sennin, der Sohn einer Hirschkuh, auf einem regennassen Stein aus. Darüber verärgert, verbannte er mit seinen magischen Kräften den Drachen, der für Regen verantwortlich ist, in eine Höhle. Folglich kam eine große Dürre über das Land. Der König von Benares beriet sich mit seinen Beamten und beschloss, eine schöne Hofdame namens Senda zu Ikkaku Sennin zu schicken. Dieser unterlag ihren Reizen, wurde verführt und verlor seine magischen Kräfte, wodurch sich der Drachen aus der Höhle befreien konnte und wieder Regen über das Land kam.

Ikkaku Sennin wird meist dargestellt, wie er eine junge Frau auf dem Rücken trägt. Die Szene passt eher zu jenen Legenden, die im „Kōji hōten“ wiedergegeben sind, wo der Unsterbliche seine Vermählte, hier Sendaramo genannt, in seine Höhle bringt, bzw. der Ikkaku Sennin eine Prostituierte, die den sennin überzeugt hat, sein Einsiedlerleben gegen das lockere Leben in der Hauptstadt zu tauschen, in die Stadt trägt.

Ein sehr ähnliches Stück aus der Sammlung Bushell, heute im Los Angeles County Museum, wird der Schule des Nagai Rantei aus Kyoto zugeschrieben (Hollis Goodall, The Raymond and Frances Bushell Collection of Netsuke, Chicago 2003, S. 125, Abb. 63).