Seeadler in der Brandung

 

Von einem allseitig schwarzen Lackgrund steht ein vor Kraft strotzender Seeadler (ojirowashi) mit prominent dargestellten Fängen auf einem bizarren Felsen inmitten der Brandung und schaut zurück. Sein Kopf- und Nackengefieder ist gesträubt, die beim Seeadler markanten, weißen Schwanzfedern sind durch eine Öffnung im Felsen zu sehen. Um ihn herum tosen hohe Wellen mit ausgreifenden Gischtzungen. An den Schaumspritzern sieht man, dass hier ehemals Silberpulver eingestreut war, das heute nachgedunkelt oder berieben ist. Die wilde See hat ihre Parallele in den aufwärts gebogen Nackenfedern, die die Präsenz des Vogels unterstreichen.

Der Adler ist Symbol der Macht und hoher gesellschaftlicher Stellung, da er von oben herabschaut und das Geschehen unter ihm kontrolliert. Er gilt als König der Vögel und ist wegen seiner Größe und Kraft Symboltier eines Herrschers. Zusammen mit dem Jagdfalken wurde er von den Kano-Maler, die für das Shōgunat und die Fürstenhäuser tätig waren, immer wieder gemalt. Sie stehen auf einem Kieferstamm, an einem Wasserfall, oder auf einem Felsen in der Brandung. Das Motiv auf diesem Inrō macht das Stück zu einem passenden Accessoire eines standesbewussten hochrangigen Samurai oder Fürsten.