Büßender oni und Priester

 

Ein Priester steht vornübergebeugt neben einem oni, der auf seinen Fersen kauert und mit gefalteten Händen seine Schandtaten büßt. Als Beweis seiner Reue lässt er sich ein Horn kappen. Während der oni wie üblich mit einem Lockenkranz um den Kopf und bis auf einen Fellschurz unbekleidet dargestellt ist, ist der Priester in klerikale Roben mit reichem Faltenwurf gehüllt. Zwar kennzeichnen ihn der kahlgeschorene Kopf und das Priestergewand mit einem auffällig großen kesa, das mit einer Ringagraffe unterhalb der Schulter zusammengehalten ist, als Bonzen, doch die großen Ohrringe sind Attribute eines indischen Buddha-Schülers (rakan). Die urna auf der Stirn, Buddhas Mal der Erleuchtung, ist für einen Mönch atypisch.

Bei dieser Darstellung denkt man an das Motiv „oni nenbutsu“, des Dämons, der als Priester gekleidet, mit einem abgeknickten Horn, einen Gong schlagend, durch die Straßen zieht und Spenden einsammelt. Dieses Sujet der volkstümlichen Bilder aus Ōtsu (ōtsu-e) wird in Zusammenhang mit den begleitenden, moralisierenden Gedichten als Anprangerung der Scheinheiligkeit interpretiert. Ähnlich könnte es sich mit diesem Motiv verhalten. Ist die Buße und vielleicht sogar die Bekehrung des Teufels zum Buddhismus ehrlich gemeint oder eine Täuschung und List?

Hidechika 秀親 führte das gō Chōunsai 長雲斎. Meinertzhagen ordnet ihn in dem Umkreis des Tomochika I. ein. Ein auf das Jahr 1858 datiertes Netsuke eines Fukurokuju (Christie’s London, 20.4.1997, Nr. 599) gibt einen konkreten Anhaltspunkt für seine Schaffenszeit.