Schlafender shōjō

 

Das für seine Liebe zum Wein berüchtigte Wesen wird von Netsuke-Schnitzern gerne dargestellt, wie es — übermannt von Trunkenheit —, den Kopf in die Hand gestützt, schläft. Es ist eingehüllt in eine weite Robe und die langen offenen Haare fallen über den Rücken. Besonders reizvoll ist der Gegensatz von den feinen Rautenmustern sowie den Wellenmotiven auf den Hosen mit den glatten Gewandsäumen.

Shōjō (chin. xingxing) werden erstmals in einer chinesischen Enzyklopädie aus der Zeit von ca. 200 v. Chr. erwähnt. Später erfolgten dann konkrete Beschreibungen der shōjō als Wesen von gelber Farbe mit affenähnlichem Körper und menschlichem Gesicht, die gerne dem Wein zusprechen.

In Japan verkörpert ein shōjō in dem gleichnamigen Nō-Stück den Geist des Weines. Die Bühnenfigur trägt eine Perücke aus langen roten Haaren und ein prächtiges rotes Gewand mit Wellenmuster. Diese Ausstattung wurde zur Vorlage für die meisten shōjō-Darstellungen, wo sich das affenartige Wesen zu einem jugendlichen, fröhlichen Trunkenbold mit langen, roten Haaren wandelte. Im populären Sprachgebrauch bezeichnet auch heute noch das Wort „shōjō“ einen starken Trinker.

Der schlafende shōjō ist das wohl bekannteste Netsuke-Modell aus Nagoya. Viele Schnitzer haben in Nachfolge von Tadatoshi dieses populäre Thema geschnitzt.