Spatz in einer Muschel

 

In der großen Schale einer Venusmuschel liegt ein Spatz. Seine auf einfache Formen reduzierten Flügel sind weit ausgebreitet, im Schnabel stecken Halme. Reizvoll ist der Gegensatz von realistisch in nahezu Originalgröße dargestellter Muschel, einer hamaguri, und dem stark stilisierten Vogel.

Das eigentümliche Motiv basiert auf dem Ausspruch „suzume kaichū ni haite hamaguri to naru 雀海中に入って蛤となる“ (Der Spatz geht in den Ozean und verwandelt sich in eine Muschel). Weil sich Spatzen zu Herbstende am Meeresufer versammeln, meinte man, dass sie ins Meer gehen und sich dort in Muscheln verwandeln. Dies sollte die Abwesenheit von Spatzen im Winter erklären.

Die Sentenz findet sich im alten chinesischen Kalender und zwar im zweitrangigen Sonnenkalender, der in 24 Stationen unterteilt ist. Die Station „hanlu“ (Kalter Tau) beginnt am 7./8. Oktober, wo das Wetter von kühl zu kalt übergeht, und ist in drei Abschnitte unterteilt. Im zweiten Abschnitt tauchen Spatzen ins Meer verwandeln sich in Muscheln.

Infolge wurden „Spatz“ (suzume 雀) und „Venusmuschel“ (hamaguri 蛤) im japanischen haiku zu jahreszeitlichen Worten (kigo) und repräsentieren den Herbst. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts findet sich das Thema im japanischen Kunstgewerbe bei Netsuke und Schwertschmuck.