Tengu-Kopf auf Fächer

 

Der große Krähenkopf eines tengu liegt auf dem Federfächer des Sōjōbō, dem König der krähenköpfigen tengu. Die großen Augen und der Schnabel mit markanten Luftlöchern sind die eines Vogel, die spitzen Ohren und die in die Stirn gekämmten kurzen Haare muten eher menschlich an. Der Federfächer besteht fünf gestaffelten Federn zu beiden Seiten einer mittigen Feder. Ist der Aufbau auf der Rückseite symmetrisch, wirkt der Fächer auf der Seite, wo der Kopf aufliegt, ungleichmäßig.

Tengu 天狗 (wörtlich: Himmels-Hund) sind Waldkobolde: halb Mensch, halb Vogel. Sie leben in großen Kolonien in den Wipfeln der Kryptomerien auf dem Kurama-Berg im Norden von Kyoto aber auch auf anderen Bergen. Sowohl die langnasigen Kobolde (konoha-tengu) als auch die krähenköpfigen Kobolde (karasu-tengu) stehen im Dienst ihres Häuptlings Sōjōbō, dessen Attribut eine Schriftrolle und/oder ein großer Fächer aus Vogelfedern ist.

Sōjōbō und tengu spielen in den Legenden um den beliebten Helden Minamoto Yoshitsune (1159—1189) eine Rolle. So führte der Sōjōbō den jungen Yoshitsune, genannt Ushiwakamaru, in die Kunst der Kriegsführung ein. Noch in der Edo-Zeit galten tengu als außerordentlich stark und waren wegen ihrer Boshaftigkeit gefürchtet. Doch gab es auch gute tengu, die als Beschützer und untergeordnete Gottheiten im Shintōismus verehrt wurden.