Chrysanthemen-Wappen

 

Das große, dickwandige Inrō zeigt rundum insgesamt 38 stilisierte Chrysanthemenblüten: an den Breitseiten entweder einzeln oder in Gruppen von zwei oder drei, teilweise auch übergreifend auf die Schnurführungen. An der Unterseite sind drei, an der Oberseite fünf Blüten angebracht. Die Blüten heben sich in leichtem Relief von einem schwarzen Lackgrund ab, in den locker und unregelmäßig Goldflöckchen eingestreut sind.

Die stilisierte Chrysanthemenblüte (kiku) mit sechszehn Blütenblättern (jūrokukiku) diente nicht nur dem Kaiserhaus, sondern auch — in der vorliegenden vereinfachten Form — einer Anzahl von Familien als Wappen (kamon).

Auf der Unterseite befindet sich die Signatur von Shiomi Masanari in seiner typischen Ausgestaltung: vier vertikal geschriebene Siegelschriftzeichen in einem Rechteck. Meistens befindet sich das „Siegel“ kaum sichtbar zwischen Korpus und Schnurführung. Hier jedoch ist es nahezu mittig an der Unterseite angebracht — für ein Inrō aus dieser Werkstatt eine sehr ungewöhnliche Platzierung. Vielleicht ist die eigenwillige Art und Weise Signaturen aufzutragen ein Merkmal dieser Werkstatt. Zum Beispiel ist eines der berühmtesten Werke des Masanari, ein Schreibkasten im Tokyo Nationalmuseum, im unteren Kastenteil signiert, dort wo der Tuschereibstein liegt, und bei aufliegendem suzuri die Signatur nicht sichtbar ist.

Shiomi Masanari (1647?—1723?, nach Takao Yō), der in Kyoto arbeitete, muss wie aus mehreren Lackarbeiten aus vormals adeligem Besitz hervorgeht, fürstliche Auftraggeber gehabt haben und sehr angesehen gewesen sein. Insofern ist der kiku-mon-Dekor vielleicht tatsächlich ein Hinweis auf eine Auftraggeberfamilie aus dem Samurai- oder Adelsstand und nicht als ein reines Muster anzusehen.