Kerria-Strauch (yamabuki)

 

Beide Seite des Inrō zeigen die belaubten und üppig blühenden Zweige zweier Sorten von Kerria japonica: die mit gefüllten (yae-yamabuki 八重山吹) und die mit einfachen Blüten (yamabuki 山吹). Die Goldeinstreuung bei den einfachen Blüten ist — nur bei bestimmtem Lichteinfall zu sehen — anders als bei den gefüllten Blüten: erstere wirken dunkler, die gefüllten Blüten strahlen metallen. Die Blätter mit den ausgeprägten Zacken an den Rändern sind entsprechend der Natur genau wiedergegeben. Kirikane verleihen den Blättern Glanzpunkte, könnten aber auch als Tautropfen interpretiert werden, denn auf den dünnen, sich neigenden Grashalmen sind einzelnen Tautropfen zu sehen. Der sanft gewellte Boden, der mit in Größe und Dichte abgestuftem kirikane belegt ist, zieht sich um eine Seite des Inrō, wobei die Kerria-Zweige auf der einen Seite vor einer Böschung wachsen, auf der anderen Seite hinter einer kleinen Anhöhe.

Yamabuki wachsen wild in ganz Japan. An Flussufern angesiedelt, bilden sie große Sträucher mit sich elegant in alle Richtungen neigenden langen Zweige. Sie sind ein altbekanntes Thema in der japanischen Lyrik.

Der Korpus dieses Inrō ist hervorragend gearbeitet. Ein schmales Profil setzt die elegant gewölbte Ober- und Unterseite von den Breitseiten ab. Die Wandung der einzelnen Fächer ist dick und der obere Rand fein abgerundet. An den wenigen Fehlstellen der kirikane sieht man wie tief sie im Lack eingebettet waren.